Neuer Blog-Artikel

VDP-Nacht der offenen Weinkeller, Pfalz 2016

Ohne Ende guten Wein probiert!

Am 26. November besuchten meine Freundin Lilli und ich die Nacht der offenen Weinkeller des VDP in der Pfalz. Eine für den Weinfreund durchaus lohnende Veranstaltung, die ich euch gerne ans Herz lege. Ich möchte euch ein paar der von uns verkosteten Weine vorstellen. Aufgrund der schieren Menge und der Tatsache, dass man bei derartigen Veranstaltungen nicht wirklich die Ruhe und den Platz findet, sich ausgiebig mit jedem einzelnen Wein zu befassen und sich gleichzeitig umfangreichere Notizen zu machen, fallen die Beschreibungen relativ knapp aus.

Wir zahlten jeweils einmalig 20 Euro. Dafür durfte man acht verschiedene Weingüter besuchen, die wiederum jeweils drei Weingüter zu Besuch hatten. In den Preis inbegriffen waren Proben ausgewählter Weine der beteiligten Güter (also auch der Gäste). Meine Freundin und ich haben die 20 Euro locker wieder "reingetrunken", auch wenn wir nur zwei Weingüter - Dr. Wehrheim in Birkweiler und Ökonimierat Rebholz in Siebeldingen - besucht haben. Das Niveau der Weine ist natürlich ziemlich hoch - dementsprechend sind auch die Preise auf dem Markt. Beim VDP (Verband der Prädikatsweingüter) handelt es sich übrigens um einen Zusammenschluss deutscher Winzer, die sich einer traditionellen und qualitätsorientierten Produktionsweise verschrieben haben. Ich werte den VDP-Adler auf der Flasche als ein gewisses Qualitätsversprechen, das seinen Preis hat - ich denke, oftmals zahlt man etwas mehr, als es bei einem vergleichbaren Wein ohne VDP-Prädikat der Fall wäre. Lilli ist übrigens kein ausgewiesener Rieslingfan. In dieser Nacht haben ihr jedoch einige Rieslingweine sehr gut gefallen. Ich vermute, dass dies der hohen Qualität und der dementsprechend gut eingebundenen Säure geschuldet ist. 

Ich führe nun vor allem diejenigen Weine auf, die uns gut gefallen haben. Wir haben ungefähr die doppelte Menge zu probieren bekommen, die meisten anderen Weine waren nicht unbedingt schlecht, aber eben auch nicht außergewöhnlich überzeugend!

 

Bei Dr. Wehrheim hat uns neben dem 2015er Birkweiler Riesling Rotliegend (Ortswein, 16,40€), besonders der Birkweiler Chardonnay vom Keuper 2015 (Ortswein, 17€) gefallen. Komplex, sowohl Frucht, als auch etwas Holz, dabei aber vor allem samtig und angenehm zu trinken. Ein wirklich toller Wein! Nicht besonders gefallen hat der 2014 Siebeldinger Spätburgunder, der meinem Gaumen einen Buttermilchpelz verpasste.

 

Zu Gast hatte Dr. Wehrheim die Weingüter Huber (Malterdingen, Baden), Rings (Freinsheim, Pfalz) und Christmann (Gimmeldingen).

Das badische Weingut Huber gilt als einer der besten Produzenten von Burgunderweinen in ganz Deutschland. Sie hatten einen überraschend guten Müller-Thurgau in der Magnumflasche dabei. Nichts besonders Tolles, aber mit das beste, was ich von dieser Rebsorte bisher zu trinken bekam. Ich persönlich fand den 2014er Weißburgunder (Gutswein, 13,80€) sehr interessant, meiner Freundin schmeckte er nicht besonders. Es handelt sich durchaus um einen speziellen, etwas außergewöhnlichen Wein, der tief und vielschichtig mit sehr ausgeprägter Burgunderblume daherkommt. Wer einen leichten, süffigeren Typus bevorzugt, sollte sich vielleicht woanders umsehen. 

Besonders ist auch der 2014 Malterdinger Spätburgunder (Ortswein, 17€). Dazu muss man sagen, dass ich sicherlich kein großer Spätburgunder-Fan bin. Lilli ist eine ausgewiesene SpäBu-Hasserin! Dementsprechend gefielen uns auch die meisten der an dem Abend probierten Rotweine nicht (so gut wie jedes Weingut hatte mindestens einen Spätburgunder im Repertoire), die Ausnahme bildete dieser badische Tropfen, der durch seine besonders fruchtige Art überzeugte. Ausgeprägte "Walderdbeer"-Aromen (ich), beziehungsweise "Erdbeermarmelade" (meine Freundin) schmeichelten unseren Gaumen, auch wenn der Grad ins Künstliche sehr schmal ist.

 

Vom Weingut Rings war ich leider etwas enttäuscht, was auch daran liegen könnte, dass sie ihre hochinteressanten Rotweincuvees nicht im Gepäck hatten. Ganz nett lediglich der 2015er Weißer Burgunder Freinsheim (12€, Ortswein), ein frischer Vertreter seiner Rebsorte.

  

Ein paar hundert Meter weiter, in Siebeldingen, liegt das Weingut Ökonomierat Rebholz, das momentan vor allem für seine weißen Burgunderweine gefeiert wird. Zurecht, wie sich noch herausstellen wird. Fangen wir jedoch zunächst mit dem 2015 Muskateller (13€, Gutswein) an: Wir, vor allem meine reizende Begleitung, fanden diesen Wein sehr gut. Die quietschgelbe intensive Fruchtaromatik ist sicherlich nicht jedermanns Ding.  Wer jedoch gerne fruchtig-florale Bouquet-Weißweine mag, sollte unbedingt zugreifen! 

Ebenfalls sehr überzeugend: Der 2015 Weisser Burgunder vom Lösslehm (18,50, "Terroirwein"). Schlank, elegant, köstlich!

Unser Highlight des Abends: Ein R Chardonnay von 2012 (ca. 35€)! Unglaublich vielschichtig, mit perfekt eingebundener Säure, nicht zu dominantem Barriqueholz... Ein Wein, dem meine Schreibkünste nicht gerecht werden. Wer so viel Geld für Wein übrig hat, sollte ihn probieren und sich selbst ein Bild machen. Auch der Große Gewächs-Riesling "Im Sonnenschein" von 2011 (GG, 36€) wusste kraftvoll und komplex zu gefallen. Das ist natürlich nur etwas für Liebhaber, man muss so einen Wein nicht im Regal haben. 

 

Dr. Bürklin-Wolf bedeutet Expertise in Sachen Riesling. Die können das einfach! Im Basissegment geht's los mit dem soliden bis guten Gutswein von 2015 (10€). Wer nach einem sauberen, unkomplizierten Riesling mit gut eingebundener Säure sucht und bereit ist dafür (und für die Bioqualität) zehn Euro zu bezahlen, ist hier an der richtigen Adresse. Eine Spur mehr Finesse und Tiefe zeigen die beiden Ortsweine Deidesheimer Riesling, 2015 und Wachenheimer Riesling, 2015 (jeweils Ortsweine zu 14€). Während ersterer etwas milder und mit mehr Restsüße daherkommt, besticht der Wachenheimer Vertreter durch klassisch-rassige (ich verabscheue dieses Adjektiv und komme beim Riesling doch nicht drum rum. Bitte sendet mir ein gutes Synonym für "rassig" zu!) Säure und fruchtige Frische. 

Kein großer Fan (und Kenner) von Süßweinen, war ich dennoch begeistert von der tiefgehenden Aromenvielfalt der 2002er Ruppertsberger Reiterpfad Riesling Auslesedie ich mit 28€ wirklich nicht zu teuer finde (im Gegensatz zum 2014er Gaisböhl Großen Gewächs Riesling, der zwar ein sehr guter Wein mit vollem Körper und tollem Nachhall ist, mir jedoch keine 45€ Wert wäre).

 

Leider waren die Damen am Ausschank von Müller-Cartoir etwas gelangweilt und missmutig, was uns nicht daran hinderte, teilweise tolle Weine zu probieren: Zunächst war da der ordentliche, fruchtige 2015 Haardt Riesling (Ortswein, 12€)

Noch ausdrucksstärker zeigte sich der Bürgergarten Riesling von 2009 (Erste Lage, 20€). Der komplex, dicht und dennoch feingliedrig daherkommt.

Wiederum etwas für Liebhaber ausgeprägt-gelbfruchtiger "Maoam-Weine" (zu denen ich mich momentan komischerweise zähle) ist die 2015er Haardter Scheurebe (Ortswein, 12€). Unglaublich intensives Fruchtbouquet, auf das keine Enttäuschung auf der Zunge folgt. Der Wein kommt nicht gerade furztrocken daher, ist sicherlich eher geeignet für den Sommer oder wenn man Gäste hat, die bisher keine große Weinleidenschaft entwickelt haben. 

 

Beim Weingut Knipser trifft ähnliches zu, wie bei Rings. Mit hohen Erwartungen angereist, wurde ich etwas enttäuscht, was mit der Auswahl der vorgestellten Weine zusammenhängen könnte. Positiv aufgefallen sind der fruchtig-schmelzige Kalkmergel Riesling von 2014 (Gutswein, 14€), der in diesem Preissegment zu den besten Vertretern des Abends gehörte und eine Cuvee aus Gewürztraminer und Riesling von 2015 (Gutswein, 10€). Die Idee, die intensiv-würzige Bouquetrebsorte Traminer mit der frischen Säure des Riesling zu begleiten, geht auf und gefällt!

 

Übrigens: Man muss in der Pfalz nicht unbedingt die oftmals etwas prätentiös-elitär daherkommenden und teuren VDP-Weingüter aufsuchen, um guten Wein zu trinken. Auf dem Weg zur Nacht der offenen Weinkeller machten wir halt beim Weingut Peter Stolleis in Gimmeldingen-Mußbach.

Wir wurden sehr freundlich empfangen, durften einige tolle Weine probieren und verließen den Verkauf mit dem sehr guten, lebhaften und wirklich angenehm zu trinkenden Ruppertsberger Nußbien Riesling (Kabinett, 8,10€) und einem wirklich herrlichen, ausgesprochen aromatischen Sauvignon Blanc (9,30€).