just Riesling 2018

Der Riesling ist die berühmteste deutsche Rebsorte und gilt neben dem Chardonnay als beste Weißweinrebe der Welt. Leider hat es das Aushängeschild Deutschlands in der Weinwelt beim Konsumenten und gerade bei jungen Weintrinkern nicht immer leicht: Die Weine der Edelrebe erfordern es, dass man sich auf sie einlässt und etwas intensiver mit ihnen auseinandersetzt. Viele Studenten und junge Weintrinker trauen sich das nicht zu und greifen deshalb eher zum Pinot Grigio aus dem Discounter. Wer sich jedoch die Zeit und die Muße nimmt, sich dem Riesling zu widmen, hat die Chance, außergewöhnliche Genussmomente zu erleben. Wir möchten junge Leute ermutigen, sich an den Riesling zu wagen. Wieder einmal liegt unser Fokus dabei auf Regionalität, Nachhaltigkeit und vor allem Qualität. Unsere Message: Kauft anständigen Wein beim Winzer, nicht das nichtssagende Massenprodukt für 1,99! Nebenbei wollen wir Weinanfängern dabei helfen, ein Rebsortenbewusstsein aufzubauen und herausstellen, was Riesling ausmacht. Deshalb haben wir im April just Riesling, eine Verkostung deutscher Rieslinge durchgeführt. Die Location: Das wunderbare Achtele in der Würzburger Innenstadt. Die Jury: wieder einmal eine bunte Mischung aus jungen Weintrinkern, Studenten und erfahrenen Weinprofis. Erlaubt war alles, was Riesling ist. Egal ob trocken, halbtrocken, edelsüß oder Sekt.

 

 

50 Rieslingweine wurden angemeldet. Aus allen Kategorien und fast allen deutschen Anbaugebieten waren Vertreter dabei. Das Niveau war hoch und die Bewertungen, auch bei den unerfahrenen VerkosterInnen, höher als gedacht.

Platz 1: Weingut Zelt - Laumersheimer Kappellenberg Riesling trocken 2016

 

Wir dürfen dem Weingut Zelt wirklich gratulieren. Alle drei angestellten Weine haben es in die Top 5 geschafft: Der Laumersheimer Kappellenberg 2016 landet mit glatten 9,0 Punkten auf dem ersten, der gefällige Gutswein mit 8,8 Punkten auf dem vierten und der Ortswein (8,7) auf dem fünften Platz. Dass der Guts- vor dem Ortswein landet, mag den Leser überraschen und in der Tat war das Rennen knapp: Während weniger erfahrene WeintrinkerInnen eher den zugänglichen Gutswein präferieren, greifen die "Profis" lieber zum ausdrucksstärkeren Ortswein.

Zurück zu Platz 1: Was Mario Zelt da auf die Flasche bringt, sorgt bei vielen VerkosterInnen zunächst einmal für beeindrucktes Schweigen. Noch ein Schluck zur Kontrolle, dann folgt ein anerkennendes Nicken. Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass dieser Wein Qualität hat. Nicht unbedingt überbordend im Duft, liegt die Stärke dieses Rieslings in seiner ausgewogenen Komplexität, der filigranen Struktur und vor allem seiner Länge. Der Wein präsentiert ein spannendes Spiel aus Säure, Frucht und Würze, das auch nach dem runterschlucken noch eine Zeit lang Freude bereitet. Dieser Wein gefiel trotz unter 3 Gramm Restzucker allen in der Jury, wenngleich ihn die erfahreneren WeintrinkerInnen noch etwas besser bewerteten. Wer nicht ganz so hohe Ansprüche hat oder lieber etwas weniger Geld ausgeben möchte, der kommt auch mit dem Guts- und dem Ortswein voll auf seine Kosten. Auch diese Weine sind mehr als nur solide, sie sind richtig gut! Vielleicht nicht ganz so filigran, aber auf alle Fälle mit Spannung. Da ist gerade mit Blick auf den Gutswein ein echtes Schnäppchen drin: Mit einem Preis von 7,50 Euro ist der Wein gleichzeitig unser Preis-Genuss-Sieger!

Platz 2: Weingut Riffel - Binger Riesling Quarzit 2016

 

Das Binger Weingut Riffel wusste schon bei unserer Schaumweinverkostung mit einem tollen Pet Nat zu überzeugen. Dieses Mal haben sie uns mit ihrem 16er Binger Riesling Quarzit begeistert. Dieser Wein ist das Gegenteil von austauschbar: Man hat den Eindruck, hier ein charakterstarkes Naturprodukt zu probieren, das mit einem Minimum menschlichen Eingreifens entstehen durfte. Das geht leicht in die Richtung Naturwein, ohne jedoch ins überkomplitzierte abzudriften. Das Resultat ist ein würzig-kräutriger Riesling mit einer Wahnsinnsmineralik (das Wort „Feuerstein“ fällt immer wieder) und gleichzeitig bestechendem Trinkfluss. Die Riffels mausern sich langsam zu einem meiner persönlichen Lieblingsweingüter.

Platz 3: Gravino - Riesling trocken Steillage*** 2015

 

Der Kraichgau ist nicht unbedingt das erste Anbaugebiet, das einem einfällt, wenn man im Ausland vom deutschen Riesling schwärmt. Auch deshalb ist der dritte Platz dieser Verkostung eine freudige Überraschung: Das Weingut Gravino liegt in Kürnbach, dem gedachten Mittelpunkt des Vierecks Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe und Stuttgart. Die Spezialität, das Alleinstellungsmerkmal der Gegend ist der Auxerrois und auch sonst fühlen sich vor allem Burgunderreben im Kraichgau wohl. Dass auch Riesling hier mehr als nur eine Daseinsberechtigung hat, beweisen Helmut und Jochen Grahm, deren Riesling trocken Steillage*** 2015 sich vor allem durch ein intensiv-fruchtiges, sehr typisches Rieslingbouquet auszeichnet. Das ist nicht unbedingt die schlank-mineralische Interpretation des Rieslings, wie wir sie aus dem Rheingau gewohnt sind, doch der Wein ist trotz des warmen Jahrgangs und seiner Herkunft gut balanciert und nicht übertrieben fett.

Auf den Plätzen folgen…

Der Riesling Black Edition 2015 von Berdolt-Reif & Nett ist ein toll ausbalancierter, mit 8 Euro kostengünstiger Riesling mit schönem Schmelz und ganz dezentem Holz. Einer meiner Lieblinge für jeden Tag!

 

Hanno Rothweilers Roter Riesling war hier ja schon einmal Thema. Der Jury gefiel der Wein mit seiner doch deutlich anderen Aromatik gut und zwar sowohl Anfängern, als auch Profis. Der Wein ist gut ausbalanciert, elegant, fruchtig und gleichzeitig ein wenig salzig. Ein schönes Ding von der Bergstraße!

 

Ein Geheimtipp für viele und vor allem für klamme Studenten ohne viel Trinkerfahrung: Christoph Hammel! Der Pfälzer ist für primärfruchtige Weine ohne snobistischen Schabernack bekannt. Alle drei angestellten Weine wussten zu überzeugen: Der Riesling trocken 2017 ist on point, ein präziser, klassischer Pfälzer Riesling, der durch etwas Zeit auf der Flasche sicherlich noch dazugewinnt. Der absolute Knaller sind jedoch die Literweine: Während der ein oder andere rennommierte Weinkritiker oder -snob bei einem Preis von 4,95 Euro für den Liter (!) vermutlich verächtig die Nase rümpfen wird, schlackern sparsame Studis mit den Ohren. Es gehört Selbstvertrauen dazu, seine absoluten Basisweine bei einer solchen Verkostung anzustellen und Christoph Hammel wird für diesen Mut belohnt. Sowohl die halbtrockene (8,5 Punkte) als auch die trockene Variante (8,3) kommen an! Und wenn die Weine auch nicht die rebsortentypischsten Vertreter ihrer Art sein mögen (irgendetwas blumiges meinen wir zu entdecken) – sie machen Spaß, sind frisch und spritzig und fürs Grillen am See, die WG-Party oder die Weinwanderung tausendmal besser geeignet als der taurige, undefinierbare Markenwein aus dem Supermarktregal.

 

Noch ein Wort zur Statistik: Den Großteil der vorderen Plätze belegten trockene und „knochentrockene“ (RZ <4g) Weine. Insbesondere halbtrockene und liebliche Rieslinge hatten es wieder einmal etwas schwerer und sind vermehrt hinten im Felde anzutreffen. Ähnlich erging es den angestellten Schaumweinen. Die Pfalz schnitt besonders gut ab - womöglich liegt das an der zugänglicheren Art der Weine. So ein Rheingauer braucht vielleicht ein paar Jahre mehr auf der Flasche, bis er seine Brillanz ins Glas bringt. 

 

Die besten Süßweine waren übrigens Hans Bauschs Hattenheimer Wisselbrunnen Spätlese edelsüß 2014 (Rheingau, 8€) und Stefan Bardorfs Randersackerer Marsberg Riesling Kabinett feinherb 2015 (Franken, 7,50€) mit jeweils 8,4 Punkten.

 

 

 

Die Top-15 im Überblick

  Wein Anbaugebiet €  Punkte
1 Zelt - Laumersheimer Kappellenberg Riesling trocken 2016 Pfalz 14

9,0

2 Riffel - Binger Riesling Quarzit trocken 2016 Rheinhessen 12

8,8

3 Gravino - Riesling trocken Steillage*** 2015 Baden 14

8,8

4 Zelt - Riesling trocken Gutswein 2016 Pfalz 7,50

8,7

5 Zelt - Laumersheimer Riesling trocken 2016 Pfalz 9,80

8,7

6 Berdolt-Reif & Nett - Black Edition Riesling trocken 2015 Pfalz 8

8,7

7 Hanno Rothweiler - Roter Riesling trocken 2017 Hessische Bergstraße 8,90

8,7

8 Göttelmann - Vollmond Riesling Münster Kapellenberg trocken 2016 Nahe 7,50

8,6

9 Riffel - Riesling trocken 2017 Rheinhessen 7,90

8,6

10 Karl Haidle - Riesling trocken VDP.Gutswein 2016 Württemberg 6,80

8,6

11 Joachim Flick - Wicker Nonnberg Riesling trocken 2017 Rheingau 13,90

8,6

12 Hammel - Riesling trocken 2017 Pfalz 12,50

8,5

13 Hammel - Literweise Riesling feinherb 2017 Pfalz 4,95 8,5
14 Clauer - Heidelberger Dormenacker Riesling Kabinett trocken 2016 Baden 7,10 8,5
15 Eifel-Pfeiffer - Riesling trocken 2016 Mosel 6,90 8,5