Primitivo / Zinfandel - Verkostung - Januar '17

Vecchia Torre Leverano Primitivo Flasche
Der Sieger

Fachhandel ganz oben - neue Welt kann nicht überzeugen

Es ist die kalte Jahreszeit - welche Rebsorte passt da besser, als der Primitivo? Dunkle Beeren, winterliche Gewürze und ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis machen diese Rebsorte aus. Wenn du dich noch einmal über den Primitivo oder Zinfandel, wie er in Amerika genannt wird, informieren möchtest, legen wir dir diese Seite ans Herz. Der Primitivo di Manduria, der bekannteste Primitivo-Wein Italiens, wird hier beschrieben.

 

Es wurden fünf italienische Primitivos (oder Primitivi?) und zwei kalifornische Zinfandel verkostet, deren mittlerer Preis etwas über fünf Euro lag. Die Weine wurden blind getestet, das heißt, keiner der Tester (und keine der Testerinnen - das Geschlechterverhältnis war übrigens ausgewogen) wusste beim probieren, um welchen Wein genau es sich handelte und wie hoch der Einkaufspreis war. Beim Einkauf wurde versucht, Weine mit zu viel Restzucker zu vermeiden.


Insgesamt waren die Weine überraschend unterschiedlich. Interessanterweise zeigten die Weine sich direkt nach dem Öffnen recht fruchtig, mit Anklängen von Himbeere, Kirsche und Brombeer, während sie in der Nachverkostung* einen Tag später ihre würzigen Noten offenbarten.

Vecchia Torre Leverano Primitivo Profil
Profil Leverano Primitivo

 Platz 1 - Aromatisch, harmonisch und komplex

Überraschend deutlich und ohne große Abweichungen in den Bewertungen der Tester setzte sich der Vecchia Torre Leverano Primitivo Salento 2013 an die Spitze. Im Schnitt erhielt er 7,9 Punkte, er kratzt also an der "sehr gut"-Grenze**. Es handelt sich um einen Genossenschaftswein aus dem apulischen Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels. Zur allgemeinen Überraschung ist der Gewinner gleichzeitig der Teilnehmer mit dem höchsten Restzuckergehalt: Die 9,1 Gramm pro Liter werden allerdings von den 5,5 g Säure, dem mittleren Tanningerüst und den würzigen Noten ganz gut aufgefangen, sodass zwar eine fruchtige Süße entsteht, diese den Wein aber nicht dominiert. In den Notizen der Verkoster fanden sich Aromenbeschreibungen von Vanille, Brombeere, Eichenholz und Anis. Insgesamt befanden die Testerinnen und Tester den Wein für aromatisch, harmonisch und relativ komplex. In der Nachverkostung zeigten sich dann deutlich die würzigen Noten, insbesondere Muskat und Pfeffer. Auch das Holz trat einen Tag später stärker hervor, während die Frucht etwas nachlies. Bemerkenswert ist, dass damit der einzige Wein vom Fachhändler die erste Verkostung gewinnen konnte. Einen kleinen Vorteil hatte er: Er wurde beim Einkauf probiert und setzte sich somit schonmal gegen die ladeninterne Konkurrenz durch. Wir werden bei den nächsten Proben sehen, ob der Fachhandel seinen Titel gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel verteidigen kann.

 

Der zweite Platz: Streitbarer Klassiker in deutschen Supermarktregalen

Beim Zweitplatzierten waren die Tester sich etwas uneins: Während die einen seine Komplexität und vielfältige Aromatik von Kirsche, Brombeere, Marmelade, Portwein und Vanille lobten, stellten die anderen Fehltöne von Aceton und Lösungsmittel fest. Fest steht: Es handelt sich um einen charakterstarken Tropfen, mit konzentrierter Aromatik und sehr ordentlichem, aber angenehmen Tannin. Mit diesem Auftritt konnte der Quattordici Primitivo di Manduria der Kellerei Cantolio sich gute 7,1 Punkte sichern. Auch dieser Primitivo ist nicht gerade furztrocken ausgebaut: Die 8,5 Gramm Restzucker pro Liter merkt man dem Wein an. Gepaart mit dem relativ hohen Alkoholgehalt ergibt sich die erwähnte Portweincharakteristik. In der Nachverkostung zeigte sich die Süße noch prominenter. Insgesamt profitierte der Wein aber: Keine Spur mehr von chemischen Lösungsmittelaromen! Gesehen haben den Wein sicherlich schon viele, die hin und wieder die Weinregale bei Rewe, Edeka oder Galeria Kaufhof besuchen: Prominent prangt auf seinem Etikett die Zahl 14, "quattordici" eben. 

 

Auf den Plätzen folgen...

Platz drei bis sechs lagen in der Bewertung recht nah beieinander. Den dritten Rang belegte mit dem Mezzogiorno Primitivo von 2015 der einzige Biowein der Probe. Bei der Hauptprobe durchaus schon aromatisch, aber noch etwas ungestüm und rau, profitierte er deutlich von der Nachverkostung. Insgesamt erhielt er 6,85 Punkte. Hier ganz klar die Empfehlung, dem Wein etwas Zeit und Luft zu geben! Der mit knapp drei Euro günstigste Italiener Monello Primitivo di Manduria 2014 war ohne Fehler, aber wenig spektakulär. Ähnlich unspektakuläre 6,5 Punkte gab's. Beim Casa Leone Primitivo di Manduria 2014 von Rossmann schieden sich die Geister: Kein Wein zeigte eine so hohe Varianz in der Bewertung. Am Ende reichte es nur für 6,5 Punkte und Platz fünf. Die beiden letzten Plätze belegten die Amerikaner: Während der teurere Beringer Zinfandel 2014 zumindest punktetechnisch noch Anschluss halten konnte (auch hier war die Varianz der Bewertungen hoch!), landete der günstige Pacific Bird von 2015 abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die kalifornischen Zinfandel unterschieden sich in ihrer Aromatik deutlich von den Süditalienern. Sie waren etwas heller, leichter, süßer und fruchtiger ausgebaut und zeigten deutliche Himbeernoten, die leider die Grenze zum Künstlichen teilweise deutlich überschritten. In der Nachverkostung waren diese Weine kaum noch zu genießen und offenbarten strenge Noten, die an Fisch und Meeresalgen erinnerten. 

 

Aromen Profil Primitivo Zinfandel
Gemitteltes Aromenprofil Primitivo / Zinfandel

Das Gesamtprofil der Weine

Insgesamt zeigten sich die Weine aromatisch und harmonisch. Die Rebsorte neigt im heißen Klima Apuliens nicht zu hoher Säureentwicklung. Mit Holzfässern wird vergleichsweise sparsam umgegangen, beziehungsweise kann der kräftige Primitivo dem gut standhalten. Beachtet werden muss, dass es sich um fünf Primitivos aus Italien und zwei kalifornische Zinfandel handelt, die durchaus verschieden schmecken, hier aber in eine Grafik integriert werden und sich so etwas neutralisieren. 


Grundsätzlich sind die Zinfandelweine eher von hellroten Beerenaromen, von Himbeer und Sauerkirsche geprägt. Auch im Glas sind die Weine heller. Sie eignen sich eher leicht gekühlt als Sommerwein. Der apulische Primitivo ist schwerer und offenbart Aromen von dunklen Beeren, Trockenfrüchten, Pflaumen und weihnachtlichen Gewürzen. Ein echter Winterwein eben!

 

*Die Nachverkostung findet am auf die Probe folgenden Abend statt und soll die Entwicklung bei geöffneter Flasche berücksichtigen. Die Punktwerte werden gewichtet wie die eines Testers bei der Hauptverkostung.

**Die Bewertungskategorien lauten: Unter 5: Fehlerhaft, ungenießbar; 5-6: Nicht gut; 6-7: Durchschnittlich; 7-8: Gut; 8-9: Sehr gut; 9-9,5: Hervorragend; 9,5-10: Groß. Mehr dazu hier

Das Ergebnis im Überblick

Wein Gibt's bei:

Preis   

Bewertung Beschreibungen
Vecchia Torre Leverano Primitivo Salento 2013 Jacques' Wein-Depot  6,80 € 7,93 Vanille, Brombeere, Eichenholz, Anis, Muskat, Pfeffer; sehr schöner Nachhall
Quattordici "14" Primitivo di Manduria 2015 Rewe, Edeka, Kaufhof 7,49 € 7,10 Kirsche, Brombeere, Marmelade, Portwein, Vanille, Lösungsmittel, Alkohol
Mezzogiorno Primitivo Bio 2015 Denn's, ebl, div. Biomärkte 5,49 € 6,85 Himbeere, Kirsche, Vanille, etwas ungestüm
Monello Primitivo di Manduria 2014 Real 2,99 € 6,52 leicht, angenehm, nett, etwas zu sauer
Casa Leone Primitivo di Manduria 2014 Rossmann 5,99 € 6,50 Marmelade, Pflaume, Dörrobst, Muskat, Pfeffer, Nelke; hinten raus etwas rau
Beringer Zinfandel California 2014 Edeka 7,99 € 6,45 Himbeere, etwas künstlich, Pfeffer; Algen
Pacific Bird Zinfandel 2015 Rewe 2,49 € 5,37 künstlich-süß nach Himbeersirup, Pfeffer, Himbeere; Algen, Fisch
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