VDP-Nacht der offenen Weinkeller 2016

Am 26. November besuchten wir die Nacht der offenen Weinkeller des VDP in der Pfalz. Eine für den Weinfreund durchaus lohnende Veranstaltung, die wir euch gerne ans Herz legen. Wir zahlten jeweils einmalig 20 Euro. Dafür durfte man acht verschiedene Weingüter besuchen, die wiederum jeweils drei Weingüter zu Besuch hatten. In den Preis inbegriffen waren Proben ausgewählter Weine der beteiligten Güter (also auch der Gäste). Wir haben die 20 Euro locker wieder "reingetrunken", auch wenn wir nur zwei Weingüter - Dr. Wehrheim in Birkweiler und Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen - besucht haben. Das Niveau der Weine ist natürlich ziemlich hoch - dementsprechend sind auch die Preise auf dem Markt. Beim VDP (Verband der Prädikatsweingüter) handelt es sich um einen Zusammenschluss deutscher Winzer, die sich einer traditionellen und qualitätsorientierten Produktionsweise verschrieben haben. Man kann den VDP-Adler auf der Flasche als ein gewisses Qualitätsversprechen, das seinen Preis hat sehen - wir glauben, oftmals zahlt man etwas mehr, als es bei einem vergleichbaren Wein ohne VDP-Prädikat der Fall wäre. Nicht jeder von uns ist ein ausgewiesener Rieslingfan. In dieser Nacht haben jedoch einige Rieslingweine allen sehr gut gefallen. Ich vermute, dass dies der hohen Qualität und der dementsprechend gut eingebundenen Säure geschuldet ist. 

 

Bei Dr. Wehrheim hat uns neben dem 2015er Birkweiler Riesling Rotliegend (Ortswein, 16,40€), besonders der Birkweiler Chardonnay vom Keuper 2015 (Ortswein, 17€) gefallen. Komplex, sowohl Frucht, als auch etwas Holz, dabei aber vor allem samtig und angenehm zu trinken. Ein wirklich toller Wein! Nicht besonders gefallen hat der 2014 Siebeldinger Spätburgunder, der uns ein wenig an Buttermilch erinnerte.

 

Zu Gast hatte Dr. Werheim die Weingüter Huber (Malterdingen, Baden), Rings (Freinsheim, Pfalz) und Christmann (Gimmeldingen). Das badische Weingut Huber gilt als einer der besten Produzenten von Burgunderweinen in ganz Deutschland. Sie hatten einen überraschend guten Müller-Thurgau in der Magnumflasche dabei. Mit das beste, was wir von dieser Rebsorte bisher zu trinken bekamen. Einige von uns fanden den 2014er Weißburgunder (Gutswein, 13,80€) sehr interessant, er gefiel jedoch nicht jedem. Es handelt sich durchaus um einen speziellen, etwas außergewöhnlichen Wein, der tief und vielschichtig mit sehr ausgeprägter Burgunderblume daherkommt. Wer einen leichten, süffigeren Typus bevorzugt, sollte sich vielleicht woanders umsehen. Besonders ist auch der 2014 Malterdinger Spätburgunder (Ortswein, 17€). Ausgeprägte "Walderdbeer"-Aromen, beziehungsweise "Erdbeermarmelade"  schmeichelten unseren Gaumen, auch wenn der Grad ins Künstliche sehr schmal ist.

 

Vom Weingut Rings war ich leider etwas enttäuscht, was auch daran liegen könnte, dass sie ihre hochinteressanten Rotweincuvees nicht im Gepäck hatten. Ganz nett lediglich der 2015er Weißer Burgunder Freinsheim (12€, Ortswein), ein frischer Vertreter seiner Rebsorte.

  

Ein paar hundert Meter weiter, in Siebeldingen, liegt das Weingut Ökonomierat Rebholz, das momentan vor allem für seine weißen Burgunderweine gefeiert wird. Zurecht, wie sich noch herausstellen wird. Fangen wir jedoch zunächst mit dem 2015 Muskateller (13€, Gutswein) an: Die quietschgelbe intensive Fruchtaromatik ist sicherlich nicht jedermanns Ding.  Wer jedoch gerne fruchtig-florale Bouquet-Weißweine mag, sollte unbedingt zugreifen! Ebenfalls sehr überzeugend: Der 2015 Weisser Burgunder vom Lösslehm (18,50, "Terroirwein"). Schlank, elegant, köstlich! Unser Highlight des Abends: Ein R Chardonnay von 2012 (ca. 35€)! Unglaublich vielschichtig, mit perfekt eingebundener Säure, nicht zu dominantem Barriqueholz... Wer so viel Geld für Wein übrig hat, sollte ihn probieren und sich selbst ein Bild machen. Auch der Große Gewächs-Riesling "Im Sonnenschein" von 2011 (GG, 36€) wusste kraftvoll und komplex zu gefallen.

 

Dr. Bürklin-Wolf bedeutet Expertise in Sachen Riesling. Im Basissegment geht's los mit dem soliden bis guten Gutswein von 2015 (10€). Wer nach einem sauberen, unkomplizierten Riesling mit gut eingebundener Säure sucht und bereit ist dafür (und für die Bioqualität) zehn Euro zu bezahlen, ist hier an der richtigen Adresse. Eine Spur mehr Finesse und Tiefe zeigen die beiden Ortsweine Deidesheimer Riesling, 2015 und Wachenheimer Riesling, 2015 (jeweils Ortsweine zu 14€). Während ersterer etwas milder und mit mehr Restsüße daherkommt, besticht der Wachenheimer Vertreter durch klassisch-rassige Säure und fruchtige Frische.  Begeister waren wir von der tiefgehenden Aromenvielfalt der 2002er Ruppertsberger Reiterpfad Riesling Ausleseder mit 28 Euro sicherlich nicht zu teuer ist. 

 

Leider waren die Damen am Ausschank von Müller-Cartoir etwas gelangweilt und missmutig, was uns nicht daran hinderte, teilweise tolle Weine zu probieren: Zunächst war da der ordentliche, fruchtige 2015 Haardt Riesling (Ortswein, 12€). Noch ausdrucksstärker zeigte sich der Bürgergarten Riesling von 2009 (Erste Lage, 20€). Der komplex, dicht und dennoch feingliedrig daherkommt. Wiederum etwas für Liebhaber ausgeprägt-gelbfruchtiger "Maoam-Weine" ist die 2015er Haardter Scheurebe (Ortswein, 12€). Unglaublich intensives Fruchtbouquet, auf das keine Enttäuschung auf der Zunge folgt. Der Wein kommt nicht gerade furztrocken daher, ist sicherlich eher geeignet für den Sommer oder wenn man Gäste hat, die bisher keine große Weinleidenschaft entwickelt haben. 

 

Beim Weingut Knipser trifft ähnliches zu, wie bei Rings. Mit hohen Erwartungen angereist, wurden wir etwas enttäuscht, was mit der Auswahl der vorgestellten Weine zusammenhängen könnte. Positiv aufgefallen sind der fruchtig-schmelzige Kalkmergel Riesling von 2014 (Gutswein, 14€), der in diesem Preissegment zu den besten Vertretern des Abends gehörte und eine Cuvée aus Gewürztraminer und Riesling von 2015 (Gutswein, 10€). Die Idee, die intensiv-würzige Bouquetrebsorte Traminer mit der frischen Säure des Riesling zu begleiten, geht auf und gefällt!

 

Übrigens: Man muss in der Pfalz nicht unbedingt die elitären und teuren VDP-Weingüter aufsuchen, um guten Wein zu trinken. Auf dem Weg zur Nacht der offenen Weinkeller machten wir halt beim Weingut Peter Stolleis in Gimmeldingen-Mußbach. Wir wurden sehr freundlich empfangen, durften einige tolle Weine probieren und verließen den Verkauf mit dem sehr guten, lebhaften und wirklich angenehm zu trinkenden Ruppertsberger Nußbien Riesling (Kabinett, 8,10€) und einem wirklich herrlichen, ausgesprochen aromatischen Sauvignon Blanc (9,30€). Noch besser: Der Black Edition Riesling (9€) vom Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Duttweiler, mit gut eingebundener Säure, einer Spur Holz und toller Frucht.