Der Preis

Was muss ein guter Wein kosten?

5 Euro! Sagen manche. Und ganz falsch liegen sie damit nicht. Der Einkauf des Weines wird gerne mit einer Wette verglichen. Je mehr man zahlt, desto wahrscheinlicher wird der Wein schmecken. Kennst du dann noch deine Vorlieben genau und informierst dich ein wenig, wirst du ab einem Preis von 5 Euro relativ sicher nicht enttäuscht sein. Es gibt natürlich Weine, die für so einen Preis nicht wirklich gut sein können. Wir würden zum Beispiel nicht unbedingt zum Kauf eines Barbera für 5 Euro raten. Auch hier ist es sinnvoll zu wissen, welche Weine in welchen Preiskategorien anständige Qualitäten erwarten lassen, ein Thema, auf das wir in unseren Rebsortenbeschreibungen gerne eingehen.

Viele junge Weintrinker scheuen sich, Geld für Wein auszugeben. Deswegen findet man in Studentenbuden oft einfache Marken- oder billige Schoppenweine. Wer ein- oder zweimal zwei Euro mehr für eine Flasche ausgegeben hat, wird Schwierigkeiten haben, diesen Discounterweinen etwas abzugewinnen. Gerade im niedrigen Preissegment gehen mit kleinen Preissteigerungen oft erhebliche Qualitätszuwächse einher. Wer fünf statt drei Euro zahlt, wird in den allermeisten Fällen mit einem soliden Standard belohnt. Wer noch einmal zwei Euro drauflegt und für sieben Euro Wein kauft, wird den Spaß beim trinken sehr wahrscheinlich vervielfachen! Die allerwenigsten Studenten würden auf die Idee kommen, das Plastikbier für 29 Cent zu kaufen. Ein Sixpack Bier lässt man sich gut und gerne fünf Euro kosten, mindestens das gleiche sollte man bereit sein, für ein so vom Handwerk abhängiges Produkt wie Wein auszugeben. Um das zu verdeutlichen, werfen wir einen Blick auf die Frage: 

Wie kommt der Wein zu seinem Preis?

Manch einer reibt sich verwundert die Augen, wenn er liest, dass eine Flasche Romanée Conti für knapp 10.000 Euro den Besitzer wechselt. Kann ein Wein das Wert sein? Und wieso sind Weine aus Deutschland oft teurer als zum Beispiel spanische oder gar australische? 

Wie bei jedem Produkt ist auch der Preis des Weines zuallererst Abhängig von Angebot und Nachfrage. Deswegen sind "Jahrhundert-" oder "Kultweine" so wahnsinnig teuer und die Literweine so mancher pfälzer Familienbetriebe viel zu billig. Wie bereits angedeutet bedeutet ein Zuwachs von wenigen Euro im niedrigen Preissegment oft erstaunliche Qualitätssprünge, während in der Spitze für winzige Nuancen oft zig Euro mehr gezahlt werden müssen. Einfacher ausgedrückt: ein Wein für drei Euro unterscheidet sich von einem für acht Euro wahrscheinlich stärker, als sich ein Wein für 30 Euro von einem für 100 unterscheidet. Schlicht deshalb, weil es genügend Menschen gibt, die bereit sind, 10.000 Euro für einen 67er Romanée Conti auszugeben. Ein anderer wichtiger Faktor bei der Preisgestaltung sind die Anbaubedingungen und die Art und Weise der Bewirtschaftung. Im Prinzip gibt es drei Arten von weinproduzierenden Betrieben: Weingüter, Genossenschaften und Konzerne. Letztere produzieren vor allem die günstigen Weine im Supermarkt und im Discounter, darunter auch die bekannten Markenweine und -sekte. Das Herstellungsprinzip dabei: Trauben von meist nicht allzu hoher Qualität werden in riesigen Mengen aufgekauft und in großen Fabriken zu Weinen verarbeitet, die den Geschmack der Massen treffen und möglichst jedes Jahr gleich schmecken sollen. Rebsorten oder Anbaugebiete spielen dabei meist keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Der Winzer in einem Weingut versucht, möglichst das bestmögliche Produkt herzustellen. Die Qualitätskontrolle beginnt für ihn schon im Weinberg. Hier versucht er mit verschiedenen Maßnahmen ein optimales und zu seiner Stilistik passendes Ausgangsprodukt reifen zu lassen, aus dem er dann später seinen Wein keltert. Genossenschaften sind Zusammenschlüsse kleinerer Winzer. Sie kümmern sich das Jahr über um ihre eigenen Reben, um die Trauben dann nach der Lese bei der Genossenschaft abzugeben und gemeinsam mit den Trauben der anderen angeschlossenen Winzer zu Wein zu verarbeiten. Lange Zeit war das Produkt dabei meist ein einfacher Wein: Die Winzer wurden zumeist nach Menge, nicht nach Qualität der Trauben bezahlt, also fehlte der Anreiz, im Weinberg Erträge zu reduzieren und bei der Bestimmung des Lesezeitpunktes Risiken einzugehen (siehe auch Der gute Tropfen).  Inzwischen setzen auch viele Genossenschaften mehr und mehr auf Qualität und häufig lassen sich hier richtig gute Schnäppchen finden.  

Ein deutscher Biowinzer, der seine Reben auf 8 Hektar Steilhang mit der Hand bewirtschaftet und mit dem mitteleuropäischen Wetterschwankungen, Fäulnisrisiko und dem strengen deutschen Weingesetz arbeiten muss, kann seine Weine nicht für den gleichen Preis verkaufen, wie der australische Riesenkonzern, dessen 4.000 Hektar Rebfläche unter der Sonne Down Under mit Flugzeugen gespritzt werden und dessen Weine mit Aromazentrifugen und Holzchips auf den Massenmarkt zugeschnitten werden. Ein unfairer Wettkampf, bei dem der deutsche Winzer nur eine Chance hat, wenn er auf Qualität setzt, den Ertrag konsequent reduziert und die Weine schonend ausbaut. Hinzu kommen höhere Lohnkosten in einem Land, in dem die Mitarbeiter im Weinberg dank des Mindestlohns halbwegs anständig bezahlt werden. Discounterwein aus Südafrika ist meist das Gegenteil von Fair Trade und kann oft nur deshalb für unter 2 Euro die Flasche verkauft werden, weil die Menschen, die ihn produzieren, ausgebeutet werden. Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, sollte sich das und natürlich die Transportwege beim Weineinkauf bewusst machen. Es macht doch auch irgendwie mehr Freude, einen Wein zu trinken, von dem man weiß, dass er ein auf jahrtausendealten Kulturtechniken beruhendes Naturprodukt ist...