Riesling

Riesling ist die beliebteste Rebe der Deutschen. Sie zeichnet sich durch ein hohes Wiedererkennungspotenzial, belebende Frische (also eine etwas erhöhte Säure) und ordentlich Frucht aus. Die Stilistiken können sich unterscheiden. Ein Riesling kann einfach und süffig sein, er kann aber in höherwertigen Weinen auch dazu taugen, das Terroir darzustellen. Und er kann in gereiften trockenen oder Süßweinen eine beinahe sagenhafte Aromenvielfalt erreichen. Riesling ist also eine tolle, eine sehr hochwertige Rebsorte, auf die deutsche Winzer*innen zurecht stolz sind. Zuweilen bewegt sich der Riesling allerdings auf dem schmalen Grad zwischen Spannung und nervigkeit. Seine Aromatik mag manchem aufdringlich erscheinen und die Säure ist vor allem Anfängern oft zu anstregend. Wer also Riesling abseits von Schorle probieren möchte, sollte Wert auf einen gut gemachten Wein legen, um nicht abgeschreckt zu werden.

Wer einen solchen Wein sucht, ist in dieser Bestenliste sowas von richtig! Die angestellten Rieslinge kamen sehr gut bei unseren Verkoster*innen an. Im Durchschnitt wurden die Weine mit 8.67 Punkten bewertet. Bemerkenswert ist, dass Restzucker und die Bewertung mit -.75 korrelieren. Wer einmal eine Statistikvorlesung besucht hat weiß, dass das eine hohe negative Korrelation ist. Das bedeutet, dass trockene Weine im Mittel deutlich besser bewertet wurden als Weine mit mehr Süße. Zum Vergleich: Über die gesamte Verkostung hinweg lag dieser Wert bei .06, also einer ganz kleinen (quasi keiner) positiven Korrelation. Die Idee, dass junge Weintrinker*innen bei der höheren Säure des Rieslings Weine mit etwas puffernder Süße bevorzugen klingt zunächst nachvollziehbar - geht aber am Ende nicht auf. Vielleicht ist es einigen dann zu viel der Frucht. Wer einmal eine Statistikvorlesung besucht hat weiß aber auch: Correlation does not imply causation!

Auf Platz eins mit grandiosen 9.1 Punkten landet der Appenheimer Riesling Kalkstein des Weinguts Knewitz. Das Weingut zählt zu den Aufsteigern der letzten Jahre in Rheinhessen und hat sich sowohl mit seinen Rieslingen als auch mit seinen Burgundern einen Namen gemacht. Seine Lagen liegen im Mainzer Becken und mit dem Appenheimer Hundertgulden verfügt man über die kalkreichste Lage Deutschlands. Dieser Wein stammt aus verschiedenen Appenheimer Lagen und zeigt sehr schön seine "kalkige" Herkunft: rauchig, würzig, mineralisch sind die ersten Eindrücke. Ein vielschichter Wein mit Länge und unter fünf Gramm Restzucker. Es ist immer wieder eine besondere Freude zu sehen, dass so ein hochwertiger und auch komplexer Wein es schafft, auch junge, nicht geschulte Weintrinker*innen zu überzeugen. Unsere Empfehlung: Wer wissen möchte, ob sich vermeintlich teurer Wein vom Winzer lohnt, möge eine Flasche hiervon mit einem trockenen vier-Euro-Riesling vom Discounter vergleichen und gucken, was in Nase und Mund passiert. Wir freuen uns über Rückmeldung!

Der Bone Dry des Weinguts Reichsrat von Buhl dürfte dem ein oder anderen schon begegnet sein. Es ist natürlich ein super spannender Wein für so eine Verkostung und bläst in ein ähnliches Horn wie wir: Basisweine für junge Menschen müssen nicht unbedingt supersüffig und mit Restsüße ausgestattet sein. Mit einer Mischung aus Können und Mut geht es auch furz- oder, um es etwas weniger vulgär auszudrücken, knochentrocken. Steinobst und Zitrus, vielleicht sogar ein bisschen Orange. Ein super Wein für alle, die bei "trockenen" Rieslingen Angst vor 7 Gramm oder mehr Restzucker haben. 

Die Würzburger Innere Leiste ist nicht ganz so bekannt wie die berühmteste Lage der Stadt, der vielgerühmte Stein. Es handelt sich allerdings um eine hochinteressante, ebenfalls nach Süden ausgerichtete Lage mit einem tonigen Muschelkalkboden. Der Weingut am Stein Innere Leiste Riesling gerät dieses Jahr spannend, das gelbfruchtige ist immer noch ganz fein präsent, tritt aber zugunsten mineralischer und grippig-erdiger Eindrücke etwas in den Hintergrund. Das bekommt dem Wein sehr gut und endet in einer in dieser Liste kaum erreichten Länge.