Über 12 Euro

In der höchsten Preiskategorie waren naturgemäß einige Weine vertreten, die eine gewisse Expertise voraussetzen. Unsere VerkosterInnen zeigten sich jedoch keineswegs überfordert und konnten den meisten Weinen in dieser Kategorie einiges abgewinnen. Die Weine in dieser Preisklasse sind zumeist seriöse, komplexe Weine, die sehr trocken und meist etwas alkoholhaltiger sind. In den meisten Fällen spielt Holzfassausbau eine gewisse Rolle, zumeist jedoch subtil und schön dosiert, ohne überbordend oder erschlagend zu wirken. Dezent riech- bzw. schmeckbares Holz, das ist eine der Lehren aus dieser Verkostung, schreckt junge Weintrinker keinesfalls ab, sondern wird auch oder vor allem von Anfängern oft als angenehme, bereichernde Komponente wahrgenommen.  Die Intensität der Weine in dieser Kategorie kam vor allem den Rotweinen zugute, die erstaunlich gut abschnitten. Die ersten vier Platzierungen belegen: deutsche Winzer können auch Rotwein. Und das zum Teil für immer noch relativ kleines Geld. Zur Erinnerung: Die Weine wurden während der Verkostung nach Rebsorten, nicht nach Preis sortiert und waren den Verkostern unbekannt. Dementsprechend war die Jury auch nicht über die einzelnen Preise informiert. 

Der Erstplatzierte in der Spitzenkategorie sichert sich mit 9,1 Punkten gleichzeitig den Gesamtsieg: Der Flagship Merlot vom Weingut Immengarten Hof ist kraftvoll, tief und harmonisch. Merlot ist eine Rebsorte, die mit ihrer dichten und zugleich weichen Art insbesondere Weinanfängern zusagt. Dieser hier ist aber keineswegs langweilig oder eindimensional, sondern für einen Merlot erstaunlich markant, mit durchaus vorhandenem, geschliffenem Tannin. Gepaart mit einem vollen Körper, Aromen von dunklen Beeren, Vanille und Karamell weiß der Wein auch diejenigen zu überzeugen, die sich sonst mit Rotweinen schwer tun.  Der Pfälzer ist im Übrigen einer der gereiftesten Teilnehmer der gesamten Verkostung: Während die meisten Weine aus den Jahrgängen 2016, 2015 und zum Teil 2014 stammen, hatte der Flagship Merlot seit 2012 Zeit sich zu entwickeln. Das war sicherlich nicht zu seinem Nachteil: Gerade in der höchsten Preiskategorie ist es natürlich sinnvoll, den Weinen etwas Zeit zu geben. Mit knapp 15 Euro ist der "Studentenwein des Jahres 2017" zwar kein Wein für den (Uni-)Alltag, als Geburtstagsgeschenk, zum Weihnachtsessen oder als Eindruck schindendes Date-Mitbringsel ist er jedoch wunderbar geeignet!

Auf dem zweiten Platz der höchsten Preiskategorie folgt mit dem 2015 Lemberger H im Holzfass gereift des Weinguts Holzapfel eine echte Überraschung. Mit 12,50 Euro Verkaufspreis ganz knapp in der Preiskategorie über 12 Euro gelandet, zeigt der Württemberger eine schöne Struktur und eine spannende Balance zwischen Lemberger-Frucht und würzigem Eichenholz. 8,8 Punkte sind das Resultat. 

Auf Platz drei eine regelrechte Bombe: Der Meersburger Sängerhalde Spätburgunder Isabel 3 Lilien des Weingut Aufricht setzt sich über die Schwierigkeiten, die Spätburgunder Weinneulingen gerne bereitet, hinweg und überzeugt die Jury mit präziser, sanfter Wucht und intensiven, dunklen Beerenaromen. Wiederum gibt's dafür 8,8 Punkte. Streitbar präsentiert sich der Grauburgunder RS Reserve des Weingut Salwey. Der Badener ist in dieser Preiskategorie der Wein mit der höchsten mittleren Abweichung in der Bewertung. Die knochentrockene, füllige und phenolische Stilistik polarisiert. Einigen gefällt er jedoch so gut, dass er mit 8,3 Punkten sein Potenzial andeutet: Wie viele andere Weine wird der vollmundige Kaiserstühler sicherlich von ein paar Jahren Lagerung profitieren.

Die Top 10 der Kategorie über 12 Euro