6 bis 9 Euro

Rund die Hälfte der zu vinum cum laude 2017 angestellten Weine kosten zwischen 6 und 9 Euro. Kein Wunder: Diese Preisklasse bildet den Kompromiss aus einfachem Zechwein bis 5 Euro und hochwertigen Gewächsen im zweistelligen Preisbereich. Viele Winzer beginnen hier, richtig anständige Qualitäten zu erzeugen, die im Niedrigstpreissegment nur schwerlich zu erzielen sind. Über die reine Masse lässt sich deutscher Wein kaum noch vermarkten und so beginnen viele NachwuchswinzerInnen, den elterlichen Betrieben neuen Schwung und manchmal auch ein neues Qualitätsbewusstsein einzuhauchen. Das bedeutet aber gleichzeitig das langsame Ende der Ära der Literweine für 4 Euro. Mit anderen Worten: Weißt du ungefähr, was du willst, bist du in der Preisklasse zwischen 6 und 9 Euro relativ sicher vor bösen Überraschungen (mehr zu dem Thema: Der Preis)! 

Den ersten Platz sichert sich wiederum Württemberg mit einer Spezialität, die man auch dort nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt: Der 2016 Muskat-Trollinger Rosé trocken des Weingut Klopfer aus Weinstadt bei Stuttgart. Die Rebsorte, eine rote Muskateller-Mutation paart ein feines Muskatbouquet mit einem angenehmen, unaufdringlichen Beerenaroma und einem spritzig-belebenden Gesamteindruck. Um es mit den Worten einer Verkosterin zu sagen: "Da ist ganz schön viel los!". Dieser Meinung waren wohl einige in der Jury: Hervorragende 8,9 Punkte sind das Resultat!

Im Vergleich dazu ein eher klassischer Wein ist Spohrs Weißer Burgunder trocken 2016Der Rheinhesse überzeugt mit einer schlanken Stilistik, belebender Säure und feinen Fruchtaromen von Zitrus und Birne. Der Wein ist schön abgestimmt, entsprechend einhellig fiel das Urteil aus: Mit einer Standardabweichung von gerade einmal 0,33 vergaben die VerkosterInnen 8,8 Punkte. 

Mit einer leichten Holznote konnte der Chardonnay trocken 2016 des Mainzer Weingut Janz, übrigens der einzige Vertreter seiner Rebsorte im Feld, überzeugen. Junge Leute stehen auf Chardonnay und junge Leute stehen auf ein bisschen Holz. Da kann der Wein ruhig mal 13% Alkohol haben, vor allem dann, wenn er so eine Aromenfülle mitbringt. Auffällig: Das exotische Bananenaroma des Rheinhessen. Gar nicht mal so einhellig fiel das Urteil aus: Eine relativ hohe Standardabweichung von 0,84 bedeutet: Die einen waren aufgrund der an dem Abend einmaligen Stilistik in der Bewertung etwas zurückhaltender, während andere sich von dieser total begeistert zeigten. So begeistert, dass am Ende ganze 8,7 Punkte für den Wein raussprangen. 

Die Weine in dieser Kategorie sind recht vielfältig. In den Top-15 finden sich neben einigen Rosés und Burgundern Bouqetrebsorten, Riesling, ein Secco und sogar zwei Rotweine. Das ist insofern bemerkenswert, dass viele Weinkenner der Meinung sind, ein guter deutscher Rotwein müsse über 10 oder sogar 20 Euro kosten. Christian Nett aus der Pfalz mit seinem intensiv-dunkelbeerigen Paranoia-Spätburgunder und die Fränkin Franziska Schömig mit ihrer etwas tanninhaltigeren, runden, fast mediterranen Domina Herbstblut beweisen, dass Rotwein auch im einstelligen Preisbereich gut sein kann. 

Aufgrund der schieren Anzahl der Weine in dieser Kategorie sind natürlich auch besonders viele Weine dabei, die uns gut gefallen haben und die wir gerne hier erwähnen möchten. Dementsprechend sind in der Tabelle nicht nur 10, sondern die besten 15 Weine zwischen 6 und 9 Euro aufgeführt. Auffallend ist die enorme Dichte in der Spitze, in der Nuancen über die Platzierung entschieden haben. Diese Kategorie hat es in sich!

Die Top-15 der Kategorie 6 bis 9 Euro